Vier Frauen sitzen an zwei kleinen Tischen, hinter ihnen der Schriftzug Theatertreffen. Die Frau ganz rechts hat ein Mikrofon in der Hand.
Struggle for Existence and Solidarity
© Berliner Festspiele

Das Phänomen der revolutionären und nachrevolutionären Solidarität der kritischen Zivilgesellschaft und die nachhaltige Entwicklung der Freiwilligenbewegung in der Ukraine sind untrennbar mit der Tradition des anti-imperialistischen Freiheitskampfes verbunden, der wiederum auf Diversität, einer Vielzahl an Nationen, Religionen und Kulturen sowie liberalem Feminismus und Zusammenhalt beruht.

Mit

Kateryna Mishchenko Autorin, Herausgeberin, Übersetzerin
Nina Khyzhna Regisseurin, Performerin und Choreografin
Liuba Ilnytska Dramaturgin, Kritikerin, Kuratorin

Moderation: Kateryna StetsevychLeiterin Projektgruppe Mittel-, Ost- und Südosteuropa der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb

Die Veranstaltung wird gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb.

  • Bundeszentrale für politische Bildung/bpb

Zusätzliche Informationen vom Ukrainischen Institut.

  • Ukrainisches Institut

Die Prozesse zur Herausbildung der Zivilgesellschaft für eine moderne Ukraine begannen in den 1990er-Jahren mit der studentisch geprägten Revolution auf Granit und den Protesten der Bergarbeiter, die sich zunächst zur Orangenen Revolution und zehn Jahre später zur Revolution der Würde entwickelten. Sie entfalten sich mit einem in der europäischen Geschichte bisher einzigartigen Tempo täglich weiter. Aber das Leben mit einem aggressiven Nachbarland nimmt der Ukraine das Privileg des Pazifismus. Es ist eine ständige Gratwanderung zwischen einerseits der Forderung nach gleichem Zugang zu Grundrechten, Dekolonisierung, nachhaltiger Entwicklung, einer neuen Vision von Zivilgesellschaft, einer inklusiven Wirtschaft und Wohlstand, und andererseits einem Leben in räumlicher und seelischer Nähe zu Beschuss, systemischer Gewalt und posttraumatischen Folgen. In dieser Ambivalenz kristallisiert sich eine bürgerliche, vertikale Solidarität kontinuierlich heraus, verändert sich über Jahrhunderte und kollidiert mit der Diskussion um den Kampf für die Unabhängigkeit von Kaiserreichen und mit sowohl externer als auch interner Emanzipation. Angesichts der schädlichen Auswirkungen von Militarisierung und der Tatsache, dass das Ansehen mancher Bevölkerungsgruppen weit über dem anderer liegt, und wenn sich Gewalt mit dem Ziel der Auslöschung einer Nation (im politischen Sinne) manifestiert, ist Verteidigung die gebotene Maßnahme.
Heute beginnt die kritisch denkende ukrainische Gesellschaft, eine Perspektive einzunehmen, die die Bedeutung einer pazifistischen, horizontalen Staatsführung für die Gesundung von der Kriegszerstörung, sowohl im materiellen als auch im immateriellen Sinne, zu unterstreichen und die Entwicklung von Institutionen zur Rehabilitation, Rahmenkonzepten zu Menschenrechten usw. zu fordern. Aber der neun Jahre währende Russisch-Ukrainische Krieg hat bewiesen, dass der Wunsch, das Privileg des Pazifismus zu genießen, bedeutet, dem Geschehen tatenlos zuzusehen. Und wir wissen aus der jüngeren Geschichte, dass diese Haltung zum größten Leiden der Menschheit des vergangenen Jahrhunderts führte.