Text | Essay | Berliner Festspiele 2026

Idee, Anbahnung, Vorbereitung der ersten Berliner Festwochen im Jahr 1951

von Matthias Rädel

Schwarzweiß-Bild von einer Leiter mit Scheinwerferstrahl Richtung Boden.
© Berliner Festspiele, Foto: Eike Walkenhorst

Die Berliner Festwochen im kulturpolitischen Kontext des Kalten Krieges

In der Nachkriegszeit entwickelte sich Berlin zu einem zentralen Austragungsort des Ost-West-Systemkonflikts, der sich in besonderem Maße auch auf kultureller Ebene vollzog. Kulturinstitutionen gerieten zunehmend in den Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzung. In beiden Teilen der Stadt dienten sie dazu, unterschiedliche gesellschaftliche sowie politische Ordnungsvorstellungen zu repräsentieren, zu vermitteln und gegeneinander in Stellung zu bringen.

Verfügbar seit 23. September 2026

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Deutsch

Festspielgeschichten

Der Bereich der Kultur entwickelte sich damit zunehmend zu einem Instrument politischer Einflussnahme und ideologischer Abgrenzung. Die Präsentation von Kunst, insbesondere aus dem Spektrum der sogenannten Hochkultur, sollte dabei die kulturelle Leistungsfähigkeit und gesellschaftliche Attraktivität des eigenen politischen Systems sichtbar machen und zugleich die Ordnungsvorstellungen des jeweiligen Gegenübers abweisen. Die geteilte Stadt Berlin wurde auf diese Weise selbst zur symbolischen und kulturellen Projektionsfläche des Ost-West-Konflikts.

Es war diese konfrontative Kulturpolitik, die die westlichen Alliierten dazu veranlasste, über mögliche Gegenmaßnahmen nachzudenken. Eine wesentliche Rolle spielte dabei die sowjetische und ostdeutsche Propaganda, die vor einer zunehmenden Amerikanisierung warnte und diese zugleich als Bedrohung des eigenen gesellschaftlichen Ordnungssystems darstellte. Die daraus resultierende Auseinandersetzung um die kulturelle und politische Orientierung der Berliner*innen trug auch auf westlicher Seite dazu bei, Kultur zunehmend als ein Feld strategischer Einflussnahme zu begreifen. Im Frühjahr 1950 fand in London eine Außenministerkonferenz der drei westlichen Alliierten statt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie auf den sowjetischen Druck reagiert und die Position West-Berlins gegenüber dem Osten gestärkt werden könnte.[1] In diesem Zusammenhang wurden Empfehlungen für entsprechende Maßnahmen ausgesprochen, die Überlegungen zur kulturellen Stärkung West-Berlins einschlossen und die westlichen Alliierten dazu veranlassten, sich mit der Idee eines Festivals in West-Berlin auseinanderzusetzen.[2] Ziel eines solchen Festivals sollte es sein, durch die Präsentation westlich geprägter und zugleich international ausgerichteter Kunst die kulturelle Orientierung der Bevölkerung in Ostdeutschland zugunsten des Westens zu beeinflussen.[3] Damit verband sich die Absicht, die Leistungsfähigkeit des Westens sichtbar und erlebbar zu machen und zugleich Identifikationspotenziale zu schaffen. Gerade diese enge Verbindung von Kultur und Politik führte dazu, dass West-Berlin schon bald als „kulturelles Schaufenster“ des Westens bezeichnet wurde. So schrieb die B.Z. am 11. Oktober 1956: „Diese Stadt hat jedoch über allem eine politische Aufgabe: auch kulturell ein Schaufenster des freien Westens zu sein.“[4]

Die Entstehungsgeschichte der Berliner Festwochen ist auf deutscher Seite nicht auf einen einzelnen Initiator zurückführen. Vielmehr reklamierten verschiedene Akteure für sich, entscheidende Impulse zu ihrer Gründung beigetragen zu haben. Eine wichtige Rolle nahm in diesem Zusammenhang Heinz Tietjen ein, der 1950 als Intendant der Städtischen Oper in Berlin amtierte. Dem Theaterleiter, Regisseur und Dirigenten war es gelungen, seine bereits in der Weimarer Republik begonnene Laufbahn während des Nationalsozialismus auszubauen und in der noch jungen Bundesrepublik fortzusetzen[5]: Er passte sich jeweils nahtlos dem neuen politischen System an.

In einem Schreiben vom 31. März 1950 hatte sich Tietjen an den Berliner Oberbürgermeister Ernst Reuter gewandt, mit dem ihn eine persönliche Freundschaft verband, und schlug diesem vor, ab Herbst 1951 regelmäßig stattfindende Festspiele in Berlin zu veranstalten[6]. Als geeigneten Anlass für den Auftakt des Festivals betrachtete Tietjen die bevorstehende Eröffnung des Schiller-Theaters, für die Durchführung schlug er den September vor. Als Gründe für die Wahl dieses Monats führte er sowohl die „Überfütterung des Sommers mit Festspielen aller Art und allerorts“[7] als auch die günstigen Witterungsverhältnisse an, die seiner Einschätzung nach größere Veranstaltungen unter freiem Himmel, etwa im Olympiastadion und in der Waldbühne, ermöglichen würden. Das Festival selbst sollte ein vielfältiges und umfangreiches Programm bieten und möglichst breite Bevölkerungsschichten ansprechen. Tietjen erwartete eine starke internationale Resonanz und rechnete mit der Beteiligung ausländischer Compagnien, Künstler*innen und kultureller Repräsentant*innen. Zur Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltungen regte er schließlich die Einrichtung eines Komitees unter dem Vorsitz Ernst Reuters an.[8] Tietjens Vorschläge nahmen in wesentlichen Punkten die spätere Ausgestaltung der Festwochen vorweg. Während die Alliierten mit den Festwochen politische Ziele verfolgten, stand für Tietjen die künstlerische Ausrichtung des Festivals im Vordergrund – politische Erwägungen spielten für ihn bei dessen Begründung offenbar nur eine untergeordnete Rolle. Dies änderte sich insbesondere ab Februar 1951, als Joachim Tiburtius das Amt des Senators für Volksbildung übernahm und damit Walter May als Stadtrat für Volksbildung ablöste. Für Tiburtius sollten die Festwochen zu einem zentralen Instrument im erbittert geführten kulturellen und politischen Wettbewerb mit Ost-Berlin werden und gewissermaßen die „Speerspitze“ dieses Kampfes bilden.

Die alliierte Initiative für ein Berliner Kulturfestival

Auf alliierter Seite befasste sich am 1. Juni 1950 das „Information, Education and Cultural Affairs Committee“ (IECA) der Alliierten Kommandantur erstmals mit der Frage eines möglichen Berliner Kulturfestivals für das Jahr 1950.[9] Die Alliierte Kommandantur war das gemeinsame Verwaltungs- und Kontrollorgan der vier Besatzungsmächte USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion für Berlin. Nach dem Ausscheiden der Sowjetunion aus der gemeinsamen Kommandantur im Jahr 1948 wurde sie von den drei Westmächten fortgeführt. Von der Berliner Kommandantur zu unterscheiden ist die 1949 geschaffene Alliierte Hohe Kommission. Während sich deren Zuständigkeit auf die Bundesrepublik Deutschland erstreckte und sie das oberste Gremium der alliierten Regierungsgewalt darstellte[10], hatte die Alliierte Kommandantur die Aufgabe, Berlin zu verwalten und zu kontrollieren. Dabei stand die Kommandantur jedoch „under the general direction of the Council of the High Commission“.[11] Zur Bearbeitung einzelner Sachbereiche konnte die Kommandantur auf spezialisierte Ausschüsse zurückgreifen. Zu diesen gehörte auch das IECA, das sich insbesondere mit Fragen der Kultur- und Bildungspolitik in Berlin befasste. Das IECA stand der Idee eines Festivals grundsätzlich positiv gegenüber. Als das Komitee am 1. Juni 1950 zusammenkam, war zunächst weiterhin eine Veranstaltung für Oktober 1950 vorgesehen. Angesichts der bereits weit fortgeschrittenen Zeit empfahl der Ausschuss jedoch, das Festival zunächst auf eine Woche zu begrenzen. Im Mittelpunkt sollten von Berliner Seite vor allem Ausstellungen stehen, darunter eine Präsentation der Berliner Kunstsammlungen sowie der Kostümsammlung der Preußischen Staatstheater.[12] Darüber hinaus wurde die Aufnahme „neuer Theateraufführungen“ in das Programm angeregt, ohne jedoch näher zu konkretisieren, was unter dem Begriff „neu“ zu verstehen sei. Ergänzend war von alliierter Seite vorgesehen, das Programm durch „würdige“ Ausstellungen englischer, französischer und amerikanischer Kunst zu komplettieren. Zudem galt es, „[t]hat each of the Allies should arrange for the appearance of one or more outstanding figures in its own cultural life, or of a dramatic or operatic company of suitable size and quality“.[13] Die hier formulierte Forderung nach Beiträgen aller drei westlichen Alliierten sollte sich als ein wesentliches Element der Konzeption der ersten beiden Berliner Festwochen erweisen.

„Kulturprogramm Oktober 1950“ als Vorstufe der Festwochen 1951

Am 15. Juni 1950 richtete die Alliierte Kommandantur ein Schreiben an den Oberbürgermeister von West-Berlin, Ernst Reuter.[14] Darin teilte sie ihm mit, dass die Einrichtung eines jährlich stattfindenden Festivals in Berlin geprüft werde, dessen erste Veranstaltung bereits im Oktober 1950 stattfinden sollte.[15] Zugleich forderte die Alliierte Kommandantur Reuter auf, einen Ausschuss beziehungsweise ein Komitee einzurichten, das mit der konkreten Planung und Durchführung eines solchen Kunstfestivals betraut werden sollte. Dem Gremium sollten sowohl Vertreter*innen der Alliierten als auch deutsche Mitglieder angehören, um die weitere Konzeption und Umsetzung der Veranstaltung gemeinsam zu beraten und voranzutreiben.[16] Bereits vier Tage später, am 19. Juni, fasste der Magistrat einen entsprechenden Beschluss. Darin wurde Stadtrat May beauftragt, „die erforderlichen Besprechungen mit den in Betracht kommenden Alliierten Stellen beschleunigt zu führen und dem Magistrat in der nächsten Sitzung über das Ergebnis zu berichten.“[17]

Vor dem Hintergrund der Londoner Empfehlungen, die im Rahmen der Außenministerkonferenz der drei alliierten Westmächte ausgesprochen worden waren, und eines Beschlusses des Rates der Hohen Kommission[18] befasste sich die Alliierte Kommandantur am 23. Juni 1950 erneut mit der Durchführung eines Kulturfestivals in Berlin.[19] Die Sitzung stand unter dem Vorsitz des französischen Kommandanten Gaugain. Zentraler Diskussionspunkt der Beratungen war die Frage, ob bereits im September beziehungsweise Oktober 1950 ein erstes Festival veranstaltet werden könne. Dieses sollte die vom 1. bis 15. Oktober geplante Wirtschaftsausstellung am Funkturm ergänzen. Einigkeit bestand darüber, dass die kurze Vorbereitungszeit eine Veranstaltung in dem Umfang, wie sie für die folgenden Jahre vorgesehen war, nicht zulassen würde. Das Kulturfestival 1950 sollte daher ausdrücklich als Vorläufer einer größeren und repräsentativeren Veranstaltung im September 1951 verstanden werden.[20] Zugleich wurde ausdrücklich das Ziel formuliert, möglichst viele Besucher*innen aus der sowjetischen Besatzungszone für einen Besuch der Festspiele zu gewinnen. Um dies zu ermöglichen, sollte ihnen die Möglichkeit eingeräumt werden, ihre Eintrittskarten zu einem Umtauschkurs von 1:1 mit Ostmark zu bezahlen.[21]

Am 27. Juni 1950 trat erstmals ein vom IECA-Komitee einberufener Festivalausschuss zusammen. Diesem gehörten sowohl Vertreter*innen der alliierten Mächte als auch deutsche Mitglieder an.[22] Die Sitzung stand unter einem gemeinsamen Vorsitz. Die alliierte Seite wurde durch den französischen Vertreter Monsieur Krugell repräsentiert, während Stadtrat Walter May den deutschen Vorsitz führte. Die deutschen Mitglieder sprachen sich einstimmig für die Einrichtung und dauerhafte Etablierung eines Kulturfestivals aus, allerdings erst ab dem Jahr 1951.[23] Dieser Vorschlag stieß bei den alliierten Vertreter*innen auf Ablehnung. Daraufhin lenkten die deutschen Teilnehmenden ein und erklärten sich bereit, bereits für den kommenden Oktober 1950 ein zunächst deutlich kleiner dimensioniertes Veranstaltungsprogramm zu realisieren – „that it would be possible to organise a ´cultural programme´ on a very small scale for next October“[24]. Man wollte jedoch keinesfalls die Begriffe „Kulturwoche“ oder „Festival“ verwenden, da sowohl öffentliche Kritik als auch Vergleiche mit bereits etablierten und renommierten Festivals vermieden werden sollten. Daher wurde vereinbart, zunächst vom „Kulturprogramm Oktober 1950“ zu sprechen.[25]

Alliierter Druck auf die deutschen Vorbereitungen

Mit Blick auf die geplanten Festwochen im kommenden Jahr 1951 bestand zugleich Einigkeit darüber, möglichst umgehend ein eigenes Büro einzurichten, um die notwendigen Vorarbeiten zügig aufnehmen und koordinieren zu können.[26] Die Umsetzung dieser Vereinbarung ließ jedoch zunächst auf sich warten. Nachdem das „Kulturprogramm Oktober 1950“ abgeschlossen war, erhielt Stadtrat May am 18. Oktober 1950 ein Schreiben des zu diesem Zeitpunkt amtierenden britischen Vorsitzenden des IECA-Komitees, Mr. Stock. Darin wurde deutlich, wie nachdrücklich die Alliierten inzwischen auf eine Beschleunigung der Vorbereitungen für die Festwochen 1951 drängten. Das IECA zeigte sich insbesondere darüber unzufrieden, dass das bereits im Juni vereinbarte und aus alliierter Sicht dringend erforderliche Festwochenbüro noch immer nicht eingerichtet worden war. Stock erinnerte May daher ausdrücklich an die Dringlichkeit der Einrichtung eines Büros, das „at the earliest possible moment“ seine Arbeit aufnehmen sollte. Beanstandet wurde zudem, dass eine von May bereits am 15. September 1950 angekündigte Mitteilung über das geplante Programm und den hierfür erforderlichen finanziellen Unterstützungsbedarf der Alliierten Kommandantur bislang nicht zugegangen war[27]: „Dear Stadtrat May, as Chairman of the IECA Committee for this month, I have been asked to remind you of the urgency of setting up a bureau for the Festspielwoche Berlin 1951, which can begin work at the earliest possible moment. Your above quoted letter deals with this matter and states that you are sending through the Oberbürgermeister a letter to the Commandants which will give a rough idea of the programme of this Festspielwoche and some estimate of the financial help required. I hope you will forgive me if I point out that no letter has been received yet.“[28]

Das Schreiben verdeutlicht, dass die Alliierten nicht lediglich an der grundsätzlichen Durchführung der Festwochen interessiert waren, sondern auf konkrete organisatorische Schritte drängten und deren Umsetzung von deutscher Seite einforderten. Die Intervention blieb auf deutscher Seite nicht ohne Wirkung. Die städtischen Beteiligten intensivierten daraufhin ihre Bemühungen um die Vorbereitung der Festwochen. Dies zeigte sich unter anderem in einem Schreiben von Oberbürgermeister Ernst Reuter vom 2. November 1950 an den US-amerikanischen General E. A. Taylor, den Stabschef der Alliierten Kommandantur.[29] Reuter übermittelte darin erste Überlegungen zum vorgesehenen Programm, die angesichts des frühen Planungsstands noch kaum als ausgearbeiteter Spielplan bezeichnet werden konnten.[30] Zugleich sicherte Reuter die umgehende Einrichtung eines Büros mit einem hauptamtlichen Organisationsleiter zu und kündigte die Bildung eines Komitees an, das dem Büro als beratendes Organ zur Seite stehen sollte.[31] Damit waren wesentliche organisatorische Voraussetzungen für die weitere Vorbereitung geschaffen.

Die Suche nach einer Festwochenleitung

Nun galt es, eine fachlich ausgewiesene und im Kunstbetrieb erfahrene Persönlichkeit zu gewinnen, der die Leitung der Vorarbeiten übertragen werden konnte. Mit der Suche nach einer geeigneten Person wurde Stadtrat Walter May betraut.[32] Nach Rücksprache mit den deutschen Mitgliedern des bisherigen Ausschusses der Festwochen wandte sich May an Heinz Tietjen, der sich zu diesem Zeitpunkt in Paris aufhielt, und unterbreitete ihm am 9. November 1950 schriftlich den Vorschlag, die Leitung der Vorarbeiten zu übernehmen: „Ich erlaube mir daher, Ihnen diesen Vorschlag zu unterbreiten, wobei ich mir völlig klar darüber bin, dass für Sie neben der Leitung der Städtischen Oper die Übernahme dieser Arbeit eine erhebliche Belastung bedeuten würde. Wenn ich Sie trotzdem um Ihre Stellungnahme zu diesem Vorschlag bitte, so deshalb, weil Ihre vielfachen Kenntnisse im gesamten Theater und Kunstleben, Ihre internationalen Beziehungen und Ihre reichen Erfahrungen als Generalintendant Sie in hervorragendem Masse befähigen, diese nicht ganz leichte Aufgabe zu bewältigen. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir noch vor Ihrer Rückkehr brieflich oder telegraphisch Ihre Stellungnahme zu meinem Vorschlag mitteilen würden.“[33]

Am 13. November 1950 nahm Tietjen das Angebot per Telegramm aus Paris an und teilte Stadtrat May seine Zustimmung mit: „Brief vom neunten Erhalten, bin grundsätzlich bereit Leitung organisatorischer Vorarbeiten für Festspiele zu übernehmen. Bin ab 28. November Berlin verbindliche Empfehlung Tietjen.“[34] Welche Bedeutung Tietjen für das Festwochenprojekt beigemessen wurde, zeigte sich auch darin, dass seine Rückkehr aus Paris abgewartet wurde, um ihm die persönliche Teilnahme an einer Sitzung am Mittwoch, dem 29. November 1950, um 15 Uhr im Büro des britischen Offiziers Mr. Stock im British Information Center zu ermöglichen. In der Einladung wurde die Zusammenkunft als „first session of the Joint Advisory Committee“[35] bezeichnet. In dieser Sitzung wurden bereits grundlegende Überlegungen zur zukünftigen Ausrichtung der Festwochen formuliert. Von Beginn an bestand die Absicht, die Berliner Festwochen nicht als einmalige Veranstaltung zu konzipieren, sondern sie möglichst als jährlich wiederkehrendes Ereignis zu etablieren. Zugleich sollten sie einen eigenständigen Charakter entwickeln und sich damit bewusst von bereits etablierten Festspielen wie jenen in Salzburg und Edinburgh unterscheiden.[36] Es galt, ein Programm zu entwickeln, das möglichst viele Menschen erreicht und sie für die Festwochen begeistert.[37] Als Eröffnungstermin wurde der 5. September 1951 festgelegt, an dem zugleich die Wiedereröffnung des Schiller-Theaters geplant war. Tietjen drängte ganz im Sinne der Alliierten darauf, angesichts des knappen Zeitrahmens unverzüglich mit den Vorbereitungen zu beginnen. Dazu gehörten nicht nur die frühzeitige Verpflichtung nationaler und internationaler Künstler*innen und Ensembles, sondern auch der Beginn einer internationalen Werbekampagne.[38]

Konflikte um die deutsche Finanzierung

Stadtrat May trieb das Projekt der Berliner Festwochen 1951 nun auch auf deutscher Seite weiter voran. Zu diesem Zweck ließ er eine Magistratsvorlage zur Durchführung der Festwochen erarbeiten. Die zunächst vorgesehene finanzielle Beteiligung Berlins erschien May jedoch im Verhältnis zu dem von den Alliierten in Aussicht gestellten Betrag von 6 Millionen DM als zu gering. In der ursprünglichen Fassung war lediglich ein deutscher Beitrag von 200.000 DM eingeplant worden. May ließ die Vorlage daher überarbeiten und den deutschen Finanzierungsanteil auf 500.000 DM erhöhen.[39] Sein Ziel war es, in der Sitzung am 11. Dezember 1950 einen Beschluss über die Vorlage herbeizuführen.[40] Doch nun gerieten die Vorbereitungen für die Festwochen auf deutscher Seite ins Stocken. Grund dafür war der Widerspruch der städtischen Finanzabteilung gegen die vorliegende Fassung der Magistratsvorlage.[41] Am 20. Dezember 1950 teilte Stadtkämmerer Friedrich Haas Stadtrat May offiziell mit, dass der Magistratsvorlage vom 6. Dezember 1950 in ihrer vorliegenden Form nicht zugestimmt werden könne.[42] Zur Begründung führte er an, dass die finanziellen Voraussetzungen für die Durchführung der Festwochen noch keineswegs geklärt seien. Insbesondere sei nicht damit zu rechnen, dass die Alliierte Kommandantur tatsächlich einen Beitrag in Höhe von 6 Millionen DM leisten werde.[43] Damit blieb für Haas zugleich offen, in welcher Höhe Berlin sich finanziell an den Festwochen beteiligen sollte: „Der Magistrat kann aber nicht eine Blankovollmacht erteilen, auf Grund deren Vorbereitungen in die Wege geleitet werden, die uns später in gar nicht zu übersehendem Ausmasse belasten.“[44] Diese Verzögerungen von Seiten der Finanzabteilung dürften zu einem nicht unerheblichen Teil darauf zurückzuführen gewesen sein, dass Stadtkämmerer Friedrich Haas und Finanzdezernent Friedrich Lange bestrebt waren, ihren Einfluss auf die Planung und Finanzierung der Festwochen 1951 deutlich auszuweiten. Die daraus resultierenden Konflikte mit der Volksbildungsabteilung führten zu weiteren Verzögerungen bei der Vorbereitung und Durchführung der Festwochen. Erschwerend kam hinzu, dass am 3. Dezember 1950 in West-Berlin Wahlen stattgefunden hatten. Diese waren aufgrund des Inkrafttretens der neuen Berliner Verfassung am 1. Oktober 1950 außerplanmäßig notwendig geworden. An die Stelle des bisherigen Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung traten nun das Abgeordnetenhaus und der Senat. Da das neu gewählte Parlament zu diesem Zeitpunkt noch nicht zusammengetreten und der neue Senat noch nicht gebildet worden war, wollte man weitreichende Entscheidungen – insbesondere die Bewilligung einer beträchtlichen finanziellen Zuwendung für die Festwochen – nicht mehr durch die bisherige Regierung treffen lassen. Nur einen Tag nachdem die Finanzabteilung die entsprechende Magistratsvorlage abgelehnt hatte, überbrachte Stadtrat May am 21. Dezember 1950 den Vertretern der IECA die Nachricht, dass von deutscher Seite zu diesem Zeitpunkt keine verbindliche Zusage über einen größeren Geldbetrag gemacht werden könne. May stellte jedoch in Aussicht, dass nach der Konstituierung des neuen Senats und des Abgeordnetenhauses und der Aufnahme ihrer Arbeit im Januar oder Februar schnellstmöglich eine Entscheidung getroffen werden solle.[45]

Finanzielle Unterstützung und alliierte Kontrolle

Die Alliierten hatten jedoch nach wie vor ein großes Interesse an der Durchführung der Festwochen[46] und setzten ihre Bemühungen um deren Realisierung daher unvermindert fort. Am 25. Januar 1951 traf das oberste politische Gremium der westlichen Alliierten, die Alliierte Hohe Kommission, in der Wahner Heide zu einer Sitzung zusammen: „Die Sitzung kam überein, dass jeder Hohe Kommissar für die Verwaltungsausgaben der Festspiele die Gesamtsumme von 100.000 DM zur Verfügung stellen und in seiner Landeswährung die Kosten für die Besuche von Ensembles und Künstlern, die sein Land zu den Festspielen entsenden kann, decken würde.“[47] Am 9. Februar 1951 trat das weiterhin vorläufig konstituierte Allied-German Joint Advisory Committee der Festwochen 1951 erneut zusammen. Es war zugleich die erste Sitzung, an der Joachim Tiburtius in seiner Funktion als Senator für Volksbildung teilnahm und damit die Nachfolge von Stadtrat May antrat. Von alliierter Seite wurde bei dieser Sitzung zugesichert, dass über den bereits vorgesehenen Zuschuss von 300.000 DM hinaus eine Garantiesumme von 400.000 DM bereitgestellt werden sollte. Diese Zusage war allerdings an die Bedingung geknüpft, dass sich Berlin seinerseits verbindlich verpflichtete, Festwochen zu veranstalten und sich mit einem Zuschuss von 500.000 DM an deren Finanzierung zu beteiligen.[48] Mit dieser Forderung verband die Alliierte Kommandantur offenbar das Ziel, die Stadt zu einer verbindlichen Entscheidung über die Durchführung und Mitfinanzierung der Festwochen zu bewegen und damit den weiteren Vorbereitungsprozess zu beschleunigen, der aus ihrer Sicht schleppend und langwierig verlief. Nachdem die entsprechende Zusicherung seitens der Stadt schriftlich erfolgt war, wurde diese von der Alliierten Kommandantur mit Genugtuung zur Kenntnis genommen: „Ausserdem stellt sie mit Genugtuung fest, welche Schritte sie zu unternehmen beabsichtigen, um die nötigen finanziellen Mittel vom Senat und dem Abgeordnetenhaus zu erhalten.“ Aufgrund dieser Zusicherung erhielt der Regierende Bürgermeister Ernst Reuter am 10. Februar 1951 ein Schreiben der Alliierten Kommandantur, in dem die von alliierter Seite vorgesehenen finanziellen Leistungen sowie die Bedingungen für deren Gewährung zur Durchführung der Berliner Festwochen 1951 festgehalten wurden. Zum Beitrag der Alliierten zu den Festwochen 1951 hieß es: „(a) Die Hohen Kommissare werden eine Summe von 300.000,- DM zur Bestreitung von Verwaltungskosten gewaehren. (b) Die Kommandanten werden ausserdem eine Garantie in Hoehe von 400.000,- DM zur Deckung von Verlusten und Unkosten stellen, die jedoch nur im Bedarfsfalle in Anspruch zu nehmen ist. (c) Die alliierten Regierungen werden als Beitrag Ihrer Nationen Kuenstler und Kuenstlergruppen zur Festspielwoche berufen.“[49]

Gleichzeitig legte die Alliierte Kommandantur die Bedingungen fest, an die ihre finanziellen Leistungen geknüpft waren – „(a) dass die staedtischen Behörden mindestens 500.000,- DM als Kostenbeitrag zur Verfuegung stellen; (b) dass die staedtischen Behoerden in Zusammenarbeit mit den alliierten Sachverstaendigen unverzueglich einen konkreten Plan mit allen Einzelheiten nebst einem Haushaltsplan den Kommandanten zur Pruefung unterbreiten; (c) dass die Organisation der Festspiele und die mit ihnen verbundenen Ausgaben der direkten Kontrolle des Deutsch-Alliierten Gemischten Beratenden Komitees unterliegen, wobei, falls noetig, alliierte Finanzfachleute herangezogen werden; (d) dass die Verausgabung der alliierten Beitraege unter der Ueberwachung der betreffenden alliierten Fachleute aufs genaueste kontrolliert wird.“[50]

Die Beiträge der westlichen Alliierten zum Festwochenprogramm

Nun ging es deutlich zügiger voran. Bereits am 15. Februar 1951 legte Heinz Tietjen den Alliierten einen ersten künstlerischen Spielplan sowie einen Finanzplan für die Festwochen 1951 vor. Als Veranstaltungsorte waren das Schiller-Theater, die Städtische Oper, das Schlosspark Theater, das Kurfürstendamm-Theater, das Corso-Theater, der Titania-Palast, das Olympiastadion, die Waldbühne und die Tennisplätze vom LTTC „Rot-Weiss“ e. V.  vorgesehen.[51] Auch die Berliner Privatbühnen sowie Filmtheater, Kleinkunstbühnen und Cabarets sollten durch besondere Veranstaltungen zum Gesamtbild der Festwochen beitragen. Eine finanzielle Beteiligung der Festwochen an ihren Veranstaltungen war zunächst jedoch nicht vorgesehen.[52] Die Frage einer finanziellen Unterstützung dieser Einrichtungen beschäftigte die Planungen der kommenden Monate und löste zum Teil kontroverse Diskussionen aus.[53] Viele der in Tietjens Konzept vorgesehenen Beiträge der drei westlichen Alliierten konnten letztlich nicht realisiert werden. Aus den USA gelang es nicht, Arturo Toscanini und Igor Strawinsky als Dirigenten zu verpflichten. Auch die geplante Aufführung von Porgy and Bess konnte erst im Rahmen der Festwochen 1952 verwirklicht werden. Mehrere der britischen Vorhaben scheiterten ebenfalls. Weder das Shakespeare Memorial Theatre noch die Britten Opera Company oder das Sadler’s Wells Ballet konnten für Gastspiele gewonnen werden. Ebenso blieb der Versuch erfolglos, Sir Thomas Beecham und Sir John Barbirolli als Dirigenten für Berliner Orchester zu verpflichten. Aus Frankreich kam ein geplantes Gastspiel des Balletts der Großen Oper unter Serge Lifar nicht zustande. Darüber hinaus war ursprünglich vorgesehen, Jean Cocteau mit dem Schreiben eines neuen Stückes zu beauftragen, das von Jean-Louis Barrault inszeniert und mit Mitgliedern der Comédie-Française aufgeführt werden sollte.[54] Trotz dieser zahlreichen Absagen erwiesen sich die tatsächlich realisierten Beiträge der drei westlichen Alliierten als besondere Höhepunkte der Festwochen. Frankreich war mit der Comédie-Française vertreten, die Molières Der Bürger als Edelmann aufführte. Das amerikanische Programm umfasste mehrere namhafte Beiträge. Im Hebbel-Theater wurde Medea mit Judith Anderson gezeigt, eine auf der Broadway-Inszenierung von 1947 beruhende Bearbeitung von Robinson Jeffers. Im Titania-Palast gastierte die Theatre Guild New York mit Richard Rodgers’ Musical Oklahoma. Hinzu kamen das Juilliard String Quartet, das im British Centre auftrat, sowie der Hall Johnson Choir, der im Titania-Palast zu erleben war. Die amerikanische Pantomimin und Tänzerin Angna Enters trat zudem in der Tribüne am Knie auf. Großbritannien war schließlich durch das Old Vic Theatre vertreten, dass im Hebbel-Theater William Shakespeares Tragödie Othello aufführte.[55] Damit leisteten die drei westlichen Alliierten einen wesentlichen Beitrag zur internationalen Ausrichtung des Festwochenprogramms und trugen zugleich dazu bei, die Berliner Festwochen als internationales Kulturfestival zu profilieren.

Die politische und institutionelle Absicherung

Die Planungen nahmen nun zunehmend konkrete Formen an. Am 23. Februar 1951 wurde eine erneute Senatsvorlage zur Durchführung der Berliner Festwochen 1951 erarbeitet. Als Begründung für die Veranstaltung wurde darin festgehalten: „Ihr Zweck ist es, das kulturelle und politische Ansehen Berlins zu stärken und einen möglichst starken Fremdenbesuch in Berlin zu erreichen.“[56] Dem Abgeordnetenhaus sollte zudem im Wege einer Dringlichkeitsvorlage die Bereitstellung eines städtischen Beitrags von 500.000 DM zur Finanzierung der Festwochen zur Genehmigung vorgelegt werden. Zugleich galt es, die Möglichkeit zu schaffen, bei Bedarf auf die bewilligten Mittel vorzugreifen.[57] Das Abgeordnetenhaus genehmigte die Bereitstellung der Mittel bereits am 1. März 1951.[58] Am 5. März 1951 folgte schließlich der entsprechende Senatsbeschluss zur Durchführung der Berliner Festwochen.[59] Unter Punkt a) hieß es: „I. In der Zeit vom 1.-30. September 1951 werden in Berlin die „Berliner Festwochen 1951“ durchgeführt. Für die Durchführung dieser Veranstaltung wird ein Arbeitsausschuß gebildet […]. II. Mit der Leitung der Festwochen wird Herr Intendant T i e t j e n beauftragt, der seine Tätigkeit im Benehmen mit Intendant B a r l o g und dem Arbeitsausschuß ausübt. III. Der Senat nimmt davon Kenntnis, daß das Abgeordnetenhaus in seiner Sitzung am 1. März 1951 zu den Kosten, die sich schätzungsweise auf 1,2 Mill. DM belaufen, einen Betrag von 500.000 DM als Anteil Berlins […] zur Verfügung gestellt hat, während die hohen Kommissare eine Summe von 300.000 DM zur Bestreitung von Verwaltungskosten gewähren und außerdem eine Garantie in Höhe von 400.000 DM zur Deckung von Verlusten und Unkosten übernehmen, die jedoch nur im Bedarfsfalle in Anspruch zu nehmen sind [...].“[60]

Einbindung von Gerhart von Westerman in die Festwochenorganisation

Nun waren zunächst sämtliche formalen Voraussetzungen für die Durchführung der Festwochen auf alliierter wie auch auf deutscher Seite geschaffen. Damit war Tietjen offiziell zum Leiter der Festwochen 1951 bestellt[61] und auch das Allied-German Joint Advisory Committee konnte seine Arbeit auf einer legitimierten Grundlage fortsetzen. Allerdings waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle relevanten Mitarbeiter*innen in die Organisation der Festwochen eingebunden.[62] Anfang März, am 9.3.1951, fand eine Besprechung statt, bei der es darum ging, Tietjen nach seiner Rückkehr von einer erneuten Auslandsreise konkrete Vorschläge für die weitere Organisation der Festwochen zu unterbreiten. Neben Senatsrat Franz Wallner-Basté[63] nahm auch Gerhart von Westerman an dieser Besprechung teil. Gerhart von Westerman war im Berliner Kulturleben keineswegs ein Unbekannter. Bereits in der Weimarer Republik und während der NS-Zeit hatte er führende Positionen im Kulturbetrieb inne gehabt.[64] Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bemühte er sich, im Berliner Kulturleben wieder Fuß zu fassen, und hatte dabei offenbar die Aufmerksamkeit von Senator Joachim Tiburtius gewonnen. Das Protokoll der Besprechung legt nahe, dass Tiburtius ihn für eine Mitarbeit an der Organisation der Festwochen gewinnen wollte: „Dr. von Westerman machte auf Schwierigkeiten aufmerksam, die entstehen könnten, wenn Tietjen von einem Vorschlag des Senators für seine Person hören würde. Er bat deshalb, Dr. Paproth[65] zu bitten, er möge Herrn Tietjen über die Möglichkeit der Verwendung Dr. von Westermans als künstlerischer Leiter oder Berater nicht unterrichten (Dr.  Limbach teilt dieses persönlich Dr. Paproth mit). Es soll erreicht werden, dass Tietjen von sich aus den Vorschlag macht.“[66]

Die Annäherung zwischen Tietjen und von Westerman

Als Wallner-Basté Tietjen nach dessen Rückkehr von seiner Auslandsreise am 15. März 1951 zu einem Gespräch in sein Amt bat, erwies sich, dass Tietjen über die vorausgegangenen Überlegungen bereits umfassend informiert war. Auch die Überlegungen, von Westerman in die Organisation der Festwochen einzubinden, waren ihm bereits bekannt: „Über die Vorbesprechung vom 9.3. zeigt Herr Tietjen sich in allen Einzelheiten orientiert, einschliesslich der Angelegenheit Dr. von Westerman. […] Er selbst würde grundsätzlich nichts dagegen haben den ihm bekannten Dr. von Westerman mit seiner Vertretung zu betrauen, wolle aber zuvor noch einmal mit ihm reden. Die Frage, ob Dr. Wallner-Basté Herrn von Westerman veranlassen solle, sich mit Herrn Tietjen in Verbindung zu setzen, wird bejaht.“[67]

In der Folge bemühte sich von Westerman um einen Gesprächstermin mit Tietjen. Dies erwies sich jedoch als ausgesprochen schwierig. Ob Tietjens Zurückhaltung damit zusammenhing, dass er in von Westerman eine jener Personen vermutete, die nach dem Krieg – als Tietjen von dem Dirigenten Leo Borchard[68] denunziert worden war und infolgedessen seine Ämter verloren hatte – Borchard entsprechende Informationen zugetragen hatten, sei dahingestellt.[69] Unabhängig davon verdeutlichen die wiederholten Versuche von Westermans, einen Gesprächstermin mit Tietjen zu erhalten, das hierarchische Verhältnis zwischen den beiden Männern zu diesem Zeitpunkt. Während von Westerman um eine persönliche Unterredung bemüht war, lag seine Einbindung in die Organisation der Festwochen maßgeblich in Tietjens Hand. Die folgende Notiz von Westerman dokumentiert seine wiederholten Bemühungen, den Intendanten zu einem Gespräch zu bewegen:

„Mo. 5.III. Anruf bei Frl. Graeger[70] unter Hinweis darauf, dass Dr. Furtwängler mir ausrichten liess, Tietjen erwarte meinen Anruf. Da Herr Tietjen verreisen musste, möchte ich Ende der Woche wieder anrufen.
Fr. 09.III. Rückkehr von Herrn Tietjen, wie ich durch das Kunstamt erfahre.
Sa. 10.III. Anruf bei Frl. Graeger. Herr Tietjen sei noch verreist, ich möchte Montag anrufen. 
Mo. 12.III. Anruf bei Frl. Graeger. Sie hätte noch keine Gelegenheit gehabt, Herrn Tietjen zu sprechen
Di. 13.III. Anruf bei Frl. Graeger. Wann ein Besuch von mir möglich wäre, sei noch nicht zu übersehen.
Mi. 14.III. Anruf bei Frl. Graeger. Herr Tietjen ist so besetzt, dass eine Besprechung nicht in Aussicht gestellt werden kann. Ob ich Ende der Woche oder Anfang nächster Woche anrufen solle? Es wäre nicht abzusehen, wenn Herr T. Zeit haben würde
Do. 15.III. abends. Anruf von Dr. Wallner-Basté, Tietjen erwarte nunmehr meinen Anruf.
Fr. 16.III. Anruf bei Frl. Graeger unter Berufung auf Dr. Wallner-Basté. Grosses Erstaunen bei Frl. Graeger. nachm. Anruf von Frl. Graeger eine Unterredung würde wohl Sonntag stattfinden, genaue Zeit werde sie am Sonnabend mittag durchgeben.
Sa. 17.III. ca. 15 Uhr Anruf von Frl. Graeger, Sonntag leider unmöglich, ich möchte Montag anfragen.
Mo. 19.III. Anruf bei Fräulein Graeger. Montag und Dienstag Besprechung wegen „Rheingold“ nicht möglich. Voraussichtlich Mittwoch, d. 21.III., 11 Uhr, ich möchte aber Dienstag noch einmal anfragen.
Di. 20.III. 13,30 Uhr Anruf bei Frl. Graeger. Leider noch kein Bescheid. Sie ruft zwischen 4 und 5 Uhr an. Um 5 Uhr Anruf von Frl. Graeger. Da Herr Tietjen am 21.3. um 12 Uhr eine Senatssitzung habe, sei es nicht möglich. Es wird die Besprechung für Donnerstag um ½ 12 Uhr in Aussicht gestellt. Genauer Bescheid erfolgt am 21.3.
Mi. 21.III. Der verabredete Anruf von Frl. Graeger erfolgte nicht.
Do. 22.III. Um nichts zu versäumen, rufe ich um 11 Uhr bei Frl. Graeger an. Frl. Graeger entschuldigt sich, dass Sie am Mittwoch zum Anruf nicht gekommen wäre. Leider ist die Besprechung um ½ 12 Uhr nicht möglich, da Herr Tietjen Generalprobe zum „Parsifal“-Konzert habe. Vielleicht wird eine Besprechung am morgigen Karfreitag möglich sein. Frl. Graeger verspricht, mich diesbezüglich noch zu benachrichtigen.“[71]

Am 24. März 1951 war es schließlich so weit: Um 13:30 Uhr empfing Tietjen Gerhart von Westerman zu einem persönlichen Gespräch.[72] Die Unterredung führte offenbar zu einer grundsätzlichen Einigung über von Westermans Mitarbeit an den Vorbereitungen der Festwochen. Von Westerman hielt die wesentlichen Ergebnisse des Gesprächs anschließend in einer Notiz fest: „Am 24.3.51, nachmittags um ½ 2 Uhr empfing mich Herr Tietjen zu einer ausführlichen Besprechung mit dem Resultat, dass er mit meiner Arbeit im Rahmen der Vorbereitungsarbeiten zu den Berliner Festwochen einverstanden ist. Da die führenden Herren für ihre Arbeit zu den Festspielwochen keine Honorare, sondern nur Aufwandsentschädigung beziehen könnten, könnte er mir auch nur eine solche in Höhe von anfangs 300,- DM, später etwa 600,- DM in Aussicht stellen. Die Differenz zu einem angemessenen Gehalt sollte die Stadt tragen. Auf meinen Einwand, dass die Stadt bestimmt annimmt, mein gesamtes Honorar würde vom Festspielfonds getragen werden, meint Herr Tietjen, dass die Stadt mir gegenüber doch verpflichtet wäre und für den mir entgangenen großen Vertrag eine Entschädigung gewähren müsste. Er würde sich dafür einsetzen, dass eine solche Entschädigung gezahlt werde und fragte mich, wie hoch ich mir diese vorstelle. Auf meine Antwort: ‚ungefähr DM 12.000, -‘ wollte sich Herr Tietjen für eine solche Lösung meiner Angelegenheit einsetzen. Herr Tietjen sagte mir, dass er in diesen Tagen mit Senator Prof. Tiburtius und Dr. Wallner-Basté sprechen würde und dass er mir durch seine Sekretärin wieder Nachricht zukommen lassen würde. Als Arbeitsbeginn nahm er 1. April – nach Fertigstellung der auszubauenden Büroräume am Kurfürstendamm – in Aussicht.“[73]

Tietjens Führungsanspruch und von Westermans Stellvertretung

Wie sehr Tietjen darauf bedacht war, die Entscheidungen über die Festwochen selbst zu treffen und zu kontrollieren, wurde Gerhart von Westerman schnell deutlich. Als er Tietjen darüber informierte, dass Dr. Limbach, der ebenfalls mit der Organisation der Festwochen befasst war, Kontakt zum Agenten Herbert von Karajans aufgenommen hatte und zudem mit dem Dirigenten Fritz Lehmann in Verbindung stand, reagierte Tietjen umgehend und ungehalten. Es gelang von Westerman nicht, ihn zu besänftigen.[74] Tietjen rief daraufhin umgehend bei Wallner-Basté an. Dieser hielt den Inhalt des Gesprächs wie folgt fest: „Er habe soeben erfahren, dass durch Dr. Limbach ‚echte Festwochen-Verhandlung‘ gepflogen würden, nämlich mit Karajan und Fritz Lehmann. Da die Vorbereitung der Festwochen ausschließlich bei ihm, Tietjen, läge, müsste er dagegen nachdrücklich Einspruch erheben.“[75] Für von Westerman, der zu diesem Zeitpunkt im Büro der Festwochen tätig war, machte dieser Vorgang die Grenzen seines eigenen Handlungsspielraums deutlich. Entsprechend vorsichtig verhielt er sich Tietjen gegenüber. Diese Zurückhaltung zeigte sich auch im Umgang mit Dritten. So heißt es in einem Vermerk vom 5. Juni 1951: „Herr Dr. v. Westermann [sic!] hat mir im Grunde genommen nicht viel gesagt, was die Personalpolitik des Büros der Berliner Festwochen anbelangt. Ich hatte den Eindruck, dass er sich als Statthalter von Herrn Tietjen fühlt und ohne seine besondere Zustimmung keine Erklärung abgibt.“[76] Auch Hans Heinz Stuckenschmidt beschrieb von Westermans damalige Position rückblickend als zunächst deutlich von Tietjen geprägt: „Seit 1951 lebt und wirkt Westerman wieder in Berlin. Er war es, der – zunächst bescheiden hinter Heinz Tietjen zurücktretend – seither den Berliner Festwochen ihr kosmopolitisches Gesicht gab“.[77] In der Folge gewann Gerhart von Westerman zunehmend an Bedeutung für die Organisation der Festwochen. Bei ihm liefen zahlreiche organisatorische Vorgänge zusammen, deren Umsetzung er mit Engagement vorantrieb. Da Tietjen aufgrund seiner zahlreichen Regieverpflichtungen häufig auf Auslandsreisen war, ernannte er von Westerman am 26. Mai 1951 zu seinem ständigen Vertreter. In einem Schreiben an Senator Tiburtius erläuterte Tietjen die mit dieser Vertretung verbundenen Befugnisse: „In der Leitung der Berliner Festwochen 1951 habe ich Herrn Gerhart von Westerman meine ständige Vertretung übertragen. Er hat von mir Vollmacht erhalten, die wenigen künstlerischen Dinge, die noch in der Schwebe sind, zu Ende zu führen, soweit dabei Neuinszenierungen in der Städtischen Oper beteiligt sind, laufen die musikalischen Vorbereitungen und alle Werkstättenarbeiten schon jetzt, so dass die von mir gesetzten Kontrolltermine der Vorbereitung unter allen Umständen eingehalten werden.“[78]

Mit seiner Ernennung zum ständigen Vertreter war jedoch keine Stellung von Westermans als zweiter Leiter der Festwochen und auch keine Doppelspitze verbunden. Die Gesamtleitung verblieb bei Tietjen, der sich die maßgeblichen künstlerischen und organisatorischen Entscheidungen weiterhin vorbehielt. Von Westerman erhielt zwar einen erweiterten Handlungsspielraum, blieb in seiner Funktion jedoch Tietjen untergeordnet. Seine Ernennung markierte somit weniger einen Wechsel in der Leitungsstruktur als vielmehr eine Delegation von Aufgaben an einen Mitarbeiter, der aufgrund von Tietjens häufigen Abwesenheiten zunehmend eigenverantwortlich tätig werden musste.

Programmpräsentation und Eröffnung der Festwochen

Am 28. Mai 1951 fand schließlich die lang erwartete Pressekonferenz zu den ersten Berliner Festwochen statt, auf der erstmals das vollständige Programm vorgestellt wurde. Veranstaltungsort war das Casino am Funkturm auf dem Messegelände. Tietjen zeigte sich mit dem späten Zeitpunkt der Präsentation, der auf die äußerst kurze Vorbereitungszeit zurückzuführen war, alles andere als zufrieden. Aus seiner Sicht wäre für die Planung der Festwochen eine Vorlaufzeit von mindestens einem Jahr erforderlich gewesen, um eine größere Zahl namhafter Persönlichkeiten der internationalen Kulturszene für eine Mitwirkung gewinnen zu können. Mit dem schließlich vorgestellten Programm zeigte er sich dennoch zufrieden.[79]

Nach zahlreichen Sitzungen wie der des Allied-German Joint Advisory Committee, kontroversen Beratungen über die Finanzierung, inhaltlichen Diskussionen, Zu- und Absagen von Künstler*innen und Ensembles sowie wiederholten Anpassungen des Programms wurden die Festwochen am 5. September 1951 schließlich offiziell eröffnet. Den Auftakt bildete die Wiedereröffnung des Schiller-Theaters. Nach der Eröffnungsrede von Bundespräsident Theodor Heuss dirigierte Wilhelm Furtwängler zunächst die Ouvertüre zu Alceste von Christoph Willibald Gluck und anschließend Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie. Trotz der sehr kurzen Vorbereitungszeit und einiger organisatorischer Schwierigkeiten, die angesichts der Gründung eines Festivals dieser Größenordnung im politisch besonders komplexen Kontext des geteilten Berlins und unter Beteiligung mehrerer Träger kaum vermeidbar waren, erwiesen sich die Festwochen 1951 als Erfolg. Die positiven Rückmeldungen und die zugleich formulierten Verbesserungsvorschläge bestärkten die Verantwortlichen der Stadt ebenso wie die Alliierten darin, die Berliner Festwochen im folgenden Jahr fortzuführen.

Das Zusammenwirken alliierter und deutscher Akteure

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die ersten Berliner Festwochen[80] 1951 ohne das entschiedene Engagement der drei westlichen Alliierten kaum zustande gekommen wären. Sie hatten die Gründung des Festivals maßgeblich mit initiiert, dessen Planung und Durchführung vorangetrieben und sich zudem an seiner Finanzierung beteiligt. Zugleich zeigt die Entstehungsgeschichte, dass die Festwochen nicht allein als Ergebnis alliierter Kulturpolitik verstanden werden können. Mit Heinz Tietjen, Walter May, Joachim Tiburtius und Gerhart von Westerman waren auch auf deutscher Seite unterschiedliche Akteure maßgeblich an ihrer Konzeption und Umsetzung beteiligt. Die ersten Berliner Festwochen waren somit das Ergebnis eines komplexen Zusammenwirkens alliierter kulturpolitischer Interessen, deutscher kulturpolitischer Zielsetzungen und individueller künstlerischer sowie organisatorischer Initiativen.

Kritik an Tietjen und Wechsel der Festwochenleitung

Am 25. Oktober 1951 trat der Arbeitsausschuss nach dem Ende der Festwochen 1951 erstmals wieder zusammen. Tietjen nahm an der Sitzung nicht teil, sodass er die im Ausschuss geäußerte Kritik an seiner Amtsführung und am Umgang mit den zur Verfügung gestellten Mitteln nicht selbst miterlebte[81]: „Professor Landsberg bemängelt, dass nicht alle Beträge zweckmässig ausgegeben seien. [...] An die Spitze der Festwochenleitung gehört eine Persönlichkeit, die wirklich die Verantwortung trägt. Es darf nicht wieder vorkommen, dass der Leiter der Festwochen die gesamte eigentliche Arbeit einem anderen überlässt. […] Vielfach sind zu hohe Honorare gezahlt worden.“[82]

Die Formulierung „die gesamte eigentliche Arbeit einem anderen überlässt“ dürfte sich auf Tietjen bezogen haben. Seine Tätigkeit als Leiter der Städtischen Oper und seine zahlreichen Regieverpflichtungen im Ausland beanspruchten ihn zeitlich erheblich und dürften zumindest teilweise die im Arbeitsausschuss geäußerte Kritik an seiner Amtsführung erklären. Seine fachliche Kompetenz wurde hingegen nicht in Frage gestellt. Zugleich fanden die organisatorischen Leistungen Gerhart von Westermans ausdrücklich Anerkennung. Diese Wertschätzung führte schließlich dazu, dass ihm die Leitung der Berliner Festwochen 1952 übertragen wurde. In der Vorlage zur Beschlussfassung über die Durchführung der Berliner Festwochen 1952 an das Abgeordnetenhaus hieß es entsprechend: „Die künstlerische und organisatorische Leitung der Festwochen soll Herrn Dr. von Westerman übertragen werden, der einen wesentlichen Anteil am Gelingen der diesjährigen Veranstaltung hatte.“[83] Damit war der Wechsel in der Leitung der Festwochen vollzogen: Gerhart von Westerman übernahm fortan deren künstlerische und organisatorische Leitung und sollte diese bis 1962 innehaben.

Mehr zur Person Gerhart von Westermans und seiner Arbeit für die Berliner Festwochen

Zum Autor: Matthias Rädel ist seit 2006 stellvertretender Geschäftsführender Direktor und Leitender Controller an der Deutschen Oper Berlin sowie designierter General Manager der Bayreuther Festspiele. Er ist darüber hinaus Autor des Buches Selbstverständnis und Identität des Opernhauses in Berlin-Charlottenburg.


[1] Vgl. David Monod: Settling Scores, German Music, Denazification, and the Americans, 1945 – 1953, The University of North Carolina Press, 2005, S. 233; vgl. 23.6.1950, Allied Kommandatura Berlin (Office of the Chairman Chief of Staff), Subject: Organisation of Cultural Festivals in Berlin, To: The Duty Secretary-General, Kommandant Gaugain, Allied General Secretariat, LAB B Rep 014 Nr. 2577.
[2] Vgl. ebd.
[3] Vgl. David Monod: a.a.O., S. 233 f.
[4] Inspektor sagt: es riecht nach Provinz, in: B.Z. vom 11.10.1956, zitiert nach: Henning Müller: Theater der Restauration. West-Berliner Bühnen, Kultur und Politik im Kalten Krieg, Berlin (DDR), Henschel, 1981, S. 190. 
[5] Hermann Göring berief ihn zum Preußischen Staatsrat und verlieh ihm zudem das „Goldene Parteiabzeichen“. Als Generalintendant der Preußischen Staatstheater, enger Vertrauter Winifred Wagners und Leiter der Bayreuther Festspiele von 1931 bis 1944 zählt Tietjen zu den prägenden Persönlichkeiten des nationalsozialistischen Kulturbetriebs. Später wurde er vor allem wegen seiner opportunistischen Haltung kritisiert. Nach Kriegsende beauftragte ihn Generaloberst Nikolai Bersarin ab Juni 1945 mit dem Wiederaufbau des Berliner Theaterwesens. Dagegen legte jedoch der Dirigent Leo Borchard, der die NS-Zeit in innerer Emigration und aktivem Widerstand verbracht hatte, Einspruch ein und forderte Tietjens Absetzung. Damit begann ein mehrjähriges Entnazifizierungsverfahren, das Tietjen letztlich ohne größere Konsequenzen überstand. Nach seiner Entlastung übertrug ihm der Berliner Magistrat 1948 erneut die Leitung der Deutschen Oper.
[6] Vgl. Brief von Tietjen an Reuter, Betr.: Einrichtung von „Herbstfestspielen“, 31.3.1950, AdK, Berlin, Heinz-Tietjen-Archiv, Nr. 630. Einen Durchschlag des Briefes erhielt der Stadtrat für Volksbildung Walter May.
[7] Ebd.
[8] Vgl. ebd.
[9] Vgl. Protokoll vom 5.6.1950 der Sitzung vom 1.6.1950 der Allied Kommandatura Berlin, Information, Education and Cultural Affairs Committee, ECA/R(50)18, To: Chairman, Chief of Staff, Subject: Berlin Cultural Festival, Gez. FR Krugell, BR Ditchfield, US Thompson, LAB B Rep. 014 Nr. 2577.
[10] Vgl. Satzung der Alliierten Hohen Kommission für Deutschland vom 20.04.1949, aufgerufen im Internet: https://www.verfassungen.de/de49/satzunghohekommission49.htm
[11] Office of the Historian U.S. Department State Bureau of Administration: Foreign Relations of the United States, 1951, European Security and the German Question, Volume III, Part 2, im Internet aufgerufen unter: https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1951v03p2/d309
[12] Vgl. Protokoll vom 5.6.1950 der Sitzung vom 1.6.1950 der Allied Kommandatura Berlin, Information, Education and Cultural Affairs Committee, ECA/R(50)18, To: Chairman, Chief of Staff, Subject: Berlin Cultural Festival, Gez. FR Krugell, BR Ditchfield, US Thompson, LAB B Rep. 014 Nr. 2577.
[13] Ebd.
[14] Vgl. Allied Kommandatura Berlin, Commandant Gaugain, Vorsitzführender Stabschef am 15.6.1950 an Ernst Reuter; an Stadtrat Walter May weitergeleitet am 16.6.1950, LAB B Rep. 014 Nr. 2577.
[15] Vgl. ebd. 
[16] Vgl. ebd. 
[17] Abteilung Volksbildung Magistrat, Beschluss Nr. 1544, vom 19.6.1950 über Berliner Kulturfest, Gez. Reuter und May, LAB B Rep. 014 Nr. 2577.
[18] Vgl. 23.6.1950, Allied Kommandatura Berlin (Office of the Chairman Chief of Staff), Subject: Organisation of Cultural Festivals in Berlin, To: The Duty Secretary-General, Kommandant Gaugain, Allied General Secretariat, LAB B Rep 014 Nr. 2577; der Beschluss hatte die Kennzeichnung HICOM/M(50)15, decisions 428 (c) und (d). Vgl. ebd.
[19] Vgl. ebd.
[20] Vgl. ebd.
[21] Vgl. ebd. Bis zuletzt hatten insbesondere die amerikanischen Vertreter*innen an der Umtauschquote von 1:1 festgehalten. Eine solche Regelung war von deutscher Seite jedoch finanziell nicht zu tragen, sofern sich die Alliierten nicht an der Finanzierung des daraus entstehenden Defizits beteiligt hätten. Schließlich einigte man sich auf eine Umtauschquote von 1:2. Diese Regelung galt auch für die Privatbühnen. Vgl. Protokoll der Festwochen-Sitzung vom 19.7.1951 in der Städtischen Oper. Vgl. LAB B Rep. 014 Nr. 3028.
[22] Vgl. 27.6.1950 Allied Kommandatura, Information, Education and Cultural Affairs Committee (IECA), Krugell, Ditchfield, Thompson to Chairman Chief of Stuff, Subject: Organisation of Berlin Cultural Festival, LAB B Rep 014 Nr. 2577. 
[23] Vgl. ebd.
[24] Ebd.
[25] Vgl. ebd.
[26] Vgl. ebd. Die alliierten Kommandanten bewilligten am 9.11.1950 einen von Reuter erbetenen Zuschuss für die Bildung des Büros in Höhe von 25.000 DM. Vgl. Brief Stadtrat May an Intendant Heinz Tietjen, Grand Hotel, Platz der Oper Paris am 9.11.1950, LAB B Rep 014 Nr. 2577.
[27] Vgl. Stadtrat May an die französischen Erziehungsabteilung, zu Händen M. Gehring, 15.9.1950, LAB B Rep 014 Nr. 2577; May sandte den Brief am selben Tag ebenfalls an Mr. Thompson von der amerikanischen Erziehungsabteilung (HICOG), LAB B Rep 014 Nr. 2577.
[28] Education Branch British Military Government Berlin an Stadtrat May, Magistrat von Groß-Berlin, 18.10.1950, gez. R. M. Stock Chief Education Officer, LAB B Rep 014 Nr. 2577.
[29] Vgl. Oberbürgermeister Reuter an Mr. E. A. Taylor, Stabschef der Allied Kommandatura, Berlin-Dahlem, 2.11.1950, LAB B Rep 014 Nr. 2577.
[30] Im Wesentlichen sahen sie Ausstellungen sowie einige wenige Gastspiele international renommierter Institutionen vor. Vgl. ebd.
[31] Vgl. ebd.
[32] Vgl. Niederschrift über die erste Besprechung eines gemeinsamen deutsch-alliierten Ausschusses, 27.6.1950, gez. May, LAB B Rep 014 Nr. 2577.
[33] Brief Stadtrat May an Intendant Heinz Tietjen, Grand Hotel, Platz der Oper Paris, 9.11.1950, LAB B Rep 014 Nr. 2577.
[34]Telegraphisch Tietjen aus Paris an Stadtrat May, 13.11.1950, LAB B Rep 014 Nr. 2577, Telegramm orthographisch angepasst. In der Folge wandte sich Stadtkämmerer Haas gegen die Bestellung Tietjens zum Leiter der Festwochen. Seiner Auffassung nach konnte ihm diese Funktion erst offiziell übertragen werden, nachdem ein entsprechender politischer Beschluss über die Durchführung der Festwochen gefasst worden war. Vgl. Stadtkämmerer Haas an Stadtrat May, 14.1.1951, LAB B Rep. 014 Nr. 2577.
[35] J. C. Thompson, Office of the United States High Commissioner for Germany, Berlin Element apo 742 Public affairs Division, Education and cultural Relations Branch, an Stadtrat Walter May Chief Volksbildungsamt Magistrat of Greater Berlin, 4-5 Messedamm, Berlin Charlottenburg, 25.11.1950, LAB B Rep. 014 Nr. 2577.
[36] Vgl. Protokoll vom 30.11.1950 der Besprechung am 29.11.1950 im British Centre, Betreff: Internationale Festspiele 1951, Gez. Dr. Limbach, LAB B Rep. 014 Nr. 2577.
[37] So fand ein Tag der Sensationen im Olympiastadion statt, der allein 100.000 Besucher*innen zählte. Geplant war außerdem die Aufführung der Operette Eine Nacht in Venedig auf der Havel beim Strand von Pichelswerder. Darüber hinaus wurde erwogen, Lohengrin in der Waldbühne aufzuführen. In diesem Zusammenhang wurden eigens Gutachten bzw. Einschätzungen   So fand ein Tag der Sensationen im Olympiastadion statt, der allein 100.000 Besucher*innen zählte. Geplant war außerdem die Aufführung der Operette Eine Nacht in Venedig auf der Havel beim Strand von Pichelswerder. Darüber hinaus wurde erwogen, Lohengrin in der Waldbühne aufzuführen. In diesem Zusammenhang wurden eigens Gutachten bzw. Einschätzungen zur Akustik anderer Spielorte eingeholt, an denen Lohengrin bereits unter freiem Himmel aufgeführt worden war. Letztlich ließen sich jedoch beide Projekte nicht verwirklichen.
[38] Vgl. Protokoll vom 30.11.1950 der Besprechung am 29.11.1950 im British Centre, Betreff: Internationale Festspiele 1951, Gez. Dr. Limbach, LAB B Rep. 014 Nr. 2577.
[39] Vgl. Stadtrat May, 4.12.1950, LAB B Rep. 014 Nr. 2577.
[40] Vgl. Magistratsvorlage Nr. 2114 vom 6.12.1950 zur Beschlussfassung für die Sitzung am Montag, den 11.12.1950; Gegenstand des Antrages: Durchführung der Festspielwochen Berlin 1951 vom 5.12.1950, LAB B Rep. 014 Nr. 2577.
[41] Vgl. Finanzdezernent Lange an den Leiter der Abteilung Volksbildung Stadtrat May, 14.12.1950, LAB B Rep. 014 Nummer 2577. 
[42] Vgl. Finanzabteilung Kämmerei Dr. Haas an Leiter der Volksbildung Stadtrat May, 20.12.1950, Betreff: Durchführung der Festspielwoche 1951, LAB B Rep. 014 Nr. 2577.
[43] Vgl. ebd.
[44] Ebd.
[45] Vgl. Stadtrat May am 21.12.1950 an Mr. Thompson (Erziehungsabteilung HICOG = High Commissioner for Germany), M. Krugell (Erziehungsabteilung der Französischen Militärregierung), Mr. Stock (Erziehungsabteilung der Britischen Militärregierung), LAB B Rep. 014 Nr. 2577.
[46] Vgl. Stadtrat May an Stadtkämmerer Haas, Finanzabteilung, 18.1.1951, LAB B Rep. 014 Nr. 2577.
[47] Beschlüsse der Hohen Kommissare in der am 25.1.1951 in Wahner Heide stattgefunden habenden Sitzung, LAB B Rep. 014 Nr. 2577.
[48] Vgl. Betrifft Festspielwochen 1951, Besprechung am 09.2.1950, LAB B Rep. 014 Nr. 2577 und LAB B Rep. 014 Nr. 1301.
[49] Allied Kommandatura Berlin, Betreff Festspielwoche 1951, an den Herrn Regierenden Bürgermeister von Berlin am 10.2.1951, LAB B Rep. 014 Nr. 2577.
[50] Ebd.
[51] Vgl. Heinz Tietjen: Über die künstlerischen und sportlichen Pläne für die September Festwochen 1951, 15.2.1951, LAB B Rep. 014 Nr. 2577 und LAB B Rep. 014 Nr. 1301.
[52] Vgl. ebd.
[53] Vgl. Senator für Finanzen gez. Friedrich Lange an die Allied Kommandatura Berlin, Finance Committee, zu Händen Berlin Element Community Activities Section ECR-Brunch Mr. M. Lettunich, in Berlin-Dahlem, Clayallee 170, 9.5.1951, LAB B Rep. 014 Nr. 3028; außerdem Protokoll der Besprechung über die Berliner Festwochen vom 15.5.1951, LAB B Rep. 014 Nr. 1301; am 15.5.1951 entschied das Festwochenkomitee, das die Volksbühne und das Renaissance-Theater an den Festwochen beteiligt und budgetiert werden. Vgl. Vermerk Tietjen vom 17.05.1951 über Sitzung des Festwochenkomitees am 15.5.1951, LAB B Rep. 014 Nr. 3028.
[54] Vgl. Heinz Tietjen: Über die künstlerischen und sportlichen Pläne für die September Festwochen 1951, a.a.O.
[55] Eine Besonderheit bei diesen ausländischen Gastspielen bestand darin, dass gemäß Vereinbarung 60 % der Einnahmen an den Veranstaltungen der jeweiligen beteiligten alliierten Macht zustanden. Insgesamt fanden acht ausländische Gastspiele statt. Vgl. An Senator für Volksbildung und an den Senator für Finanzen, Schlussbericht der Berliner Festwochen vom 5. bis zum 30.9.1951, vom 27.11.1951, LAB B Rep 014 Nr. 3029.
[56] Senatsvorlage zur Beschlussfassung für die Sitzung am Montag, 26.2.1951, vom 23.2.1951, Gegenstand des Antrages Durchführung der Berliner Festwochen 1951, LAB B Rep. 014 Nr. 1301 und LAB B Rep. 014 Nr. 3028.
[57] Vgl. ebenda.
[58] Vgl. Vermerk Volksbildungsabteilung i.A. Kollmann. Betreff Bewilligung der Mittel zur Finanzierung der Berliner Festwochen 1951. Bezug: 6. Sitzung des Abgeordnetenhauses am 01.03.1951. LAB B Rep. 014 Nr. 1301.
[59] Vgl. Senatsbeschluss Nummer 80 vom 5.3.1951 über Durchführung der Berliner Festwochen 1951, Gez. Dr. Holthöfer (Regierender Bürgermeister in Vertretung), Dr. Haas (Senator), Dr. Tibutius (Senator), LAB B Rep. 014 Nr. 1301.
[60] Ebd.
[61] In einem Telefonat von Tietjen mit Wallner-Basté, wo es um Mitarbeiter*innen für die neue Aufgabe Tietjens ging, notierte Wallner-Basté: „An Mitarbeitern benötigt Herr Tietjen zunächst nur 2 Personen: ‚1 Kleinen Tietjen‘ (v. Westerman) und 1 mehrsprachige Korrespondentin.“ Protokoll Wallner-Basté vom 15.3.1951 über Ergebnisse eines eineinhalbstündigen Gesprächs mit Heinz Tietjen, 18:00–19:35, im Amt, LAB B Rep. 014 Nr. 1301.
[62] An dieser Stelle wird ausschließlich auf Gerhart von Westerman eingegangen. Auch im übrigen Führungspersonal, insbesondere bei Wirtschafter und Geschäftsführer, kam es im Verlauf der Vorbereitungen zu personellen Veränderungen.
[63] Franz Wallner-Basté war als Senatsrat im Hauptamt Kunst und Literatur beim Senator für Volksbildung, Joachim Tiburtius, tätig. 
[64] Zur Person Gerhart von Westermans und seiner NS-Vergangenheit: Vgl. Angela Rosenberg: Pragmatiker auf heißem Boden. Gerhart von Westerman, Kunstmanager und langjähriger Leiter der Berliner Festwochen. Eine Recherche, 2021, verfügbar in der Mediathek der Berliner Festspiele.
[65] Walter Paproth war zu dieser Zeit als Verwaltungsdirektor der Städtischen Oper tätig.
[66] Protokoll der Sitzung vom 9.03.1951, Betreff: Berliner Festwochen 1951, Besprechung vormittags 10:00 Uhr, LAB B Rep. 014 Nr. 1301.
[67] Protokoll Wallner-Basté vom 15.3.1951 über Ergebnisse eines eineinhalbstündigen Gesprächs mit Heinz Tietjen, 18:00–19:35, im Amt, LAB B Rep. 014 Nr. 1301.
[68] Der Dirigent Leo Borchard war im Nationalsozialismus in einer Widerstandsgruppe aktiv. Er wurde der erste Nachkriegsdirigent der Berliner Philharmoniker und mit der vorläufigen künstlerischen Gesamtleitung beauftragt. Borchard verstarb bei einem tragischen Unfall bereits am 23.8.1945. Zu Leo Borchard: Vgl. Matthias Sträßner: Der Dirigent, der nicht mitspielte. Leo Borchard 1899–1945, Berlin, 2017.
[69] Vgl. Brief Tietjen an Furtwängler vom 15.1.1946, AdK, Berlin, Heinz-Tietjen-Archiv, Nr. 75.
[70] Clara Graeger war zu dieser Zeit als Sekretärin des Intendanten Heinz Tietjen an der Städtischen Oper tätig.
[71] Ohne Datum, Betreff: bisherige Versuche des Herrn von Westerman Herrn Intendant Tietjen zu sprechen, LAB B Rep. 014 Nr. 1301 und LAB B Rep. 014 Nr. 3028.
[72] Vgl. Notiz Westerman vom 30.3.1951 über die Besprechung mit Intendant Tietjen am 24.3.1951, LAB B Rep. 014 Nr. 3028.
[73] Ebd.
[74] Vgl. Vermerk, gez. Dr. Limbach, Betreff: Berliner Festwochen 1951, Gespräch mit Herrn Dr. von Westerman am 13.4.1951, LAB B Rep. 014 Nr. 1301.
[75] Vermerk Wallner-Basté, Betreff: Berliner Festwochen. Anruf Intendant Tietjen bei Wallner-Basté, 13.4.1951, LAB B Rep. 014 Nr. 3028.
[76] Vermerk vom 5.6.1951 an Wallner-Basté, LAB B Rep. 014 Nr. 3028.
[77] Hans Heinz Stuckenschmidt: „Gerhart Westerman zum 65. Geburtstag“, in: Gerhart von Westerman. Eine kleine Monographie, Berlin und Wiesbaden, 1959, S. 5.
[78] Tietjen an Tiburtius am 26.5.1951, Grund hierfür war Tietjens bevorstehende Reise nach London, AdK, Berlin, Heinz-Tietjen-Archiv Nr. 618.
[79] Vgl. Interview mit Heinz Tietjen über die Berliner Festwochen, 28.5.1951, NDR, NDR-Retro – Aus der Kultur, aufgerufen im Internet: www.ndr.de/geschichte/ndr_retro/interview-mit-heinz-tietjen-ueber-die-berliner-festwochen,audio-443896.html
[80] Bezüglich der Verwendung der Begriffe „Festwochen“ und „Festival“ trug sich folgender Vorgang zu – Auskunft des Senators für Post und Fernmeldewesen: „Da sämtliche Auslandstelegramme und auch ein Teil der Inlandstelegramme in Ostberlin anlaufen, ist eine Übereinstimmung der Kennworte nur über den Ostmagistrat möglich. […] Da das Welt-Jugend-Treffen im Ostsektor als Telegrammanschrift ‚Weltfestspiele Berlin‘ trägt, konnte der Ostmagistrat das Kennwort ‚Festspiele‘ für unsere September-Festwochen nicht genehmigen. Gegen ein Kennwort ‚Festwochen Berlin‘ sind nach Ansicht des Postsenators keine Bedenken.“ Hauptamt Kunst Vermerk an Senator Tiburtius über Herrn Dr. Wallner-Basté, 8.5.1951, Vermerk betrifft Telegramm-Kennwort für die Berliner Festwochen, LAB B Rep. 014 Nr. 1301.
[81] Allerding gab es auch Dankesbekundungen an Tietjen wie von Senator Tiburtius: „Bevor ich für einige Tage Berlin verlasse, ist es mir ein herzliches Bedürfnis, Ihnen für Ihre Arbeit als Leiter der Festwochen zu danken. Ich glaube, wir haben das erreicht, was wir wollten – nämlich in jedem Falle wertvolle Vergleiche zwischen künstlerischem Alltag und festlichem Niveau, Vergleiche zwischen Aufführungen gleicher und verwandter Werke durch Berliner und anderer Ensemble“. Senator für Volksbildung Tiburtius an Intendant Tietjen, 28.9.1951, AdK, Berlin, Heinz-Tietjen-Archiv Nr. 618.
[82] Niederschrift der Sitzung des Arbeitsausschusses für die Berliner Festwochen, 25.10.1951, 10.00 Uhr, AdK, Berlin, Heinz-Tietjen-Archiv Nr. 630.
[83] An das Abgeordnetenhaus, Vorlage zur Beschlussfassung und Durchführung der Berliner Festwochen 1952, 29.11.1951, LAB B Rep. 014 Nr. 3029.